Zeichen des Glaubens
Der Wettbewerb New Traditional Jewellery findet zum zweiten Mal statt und rückt in diesem Jahr das Thema “Glauben” in den Mittelpunkt. Ob es nun um Glauben im Sinne der etablierten Religionsgemeinschaften oder um nicht organisierte Spiritualität geht, Glaube ist eine persönliche Lebensauffassung, die in Form eines am Körper getragenen Zeichens präsentiert werden kann.
Religiöser Schmuck und spirituelle Objekte können sich auf eine reiche Tradition berufen.
Man denke an Rosenkränze, Reliquienbehälter mit Überresten von Heiligen, Kruzifixe, Medaillons, alle Formen von Buddhafiguren, Bettelarmbänder, Gebetsketten, Amulette und besondere Anhänger zur Abwehr des bösen Blicks oder tragbare Behältnisse zur Aufbewahrung von Korantexten und anderen heiligen Schriften. Gegenstände an Ketten bei Medizinmännern in Afrika, Asien und den Indianerstämmen Amerikas sind genauso zu berücksichtigen wie die für den afro-brasilianischen Condomblé-Glauben wichtigen Perlenketten der früheren Sklaven Südamerikas.
Die Formen, Materialien und Bedeutungen dieser Schmuckstücke gehen sehr weit auseinander, allen gemeinsam ist jedoch, dass sie mehr sind als bloßer Schmuck oder bloßes Statussymbol. Sie haben durchaus eine Funktion. Auf der einen Seite sind sie Zeichen, die vom Glauben einer Person künden (auch wenn lediglich diese die Bedeutung kennt). Auf der anderen Seite können sie etwas für den Träger bewirken: Er soll beschützt, gesund, schwanger, reich, glücklich werden. Es handelt sich um Objekte, die ihre spirituelle Energie durch das besonders ausgewählte Material oder rituelle Handlungen erhalten haben.
Zeichen des Glaubens oder der Religion sind nie aus dem Straßenbild verschwunden. Distanzierung von der Kirche führt nicht per se zu weniger Glauben. In Westeuropa ist eine Verschiebung vom institutionalisierten Glaubenserlebnis (durch Kirchen und Gemeinschaften) hin zu einem mehr individuellen Ausleben der Spiritualität wahrnehmbar. Demgegenüber nimmt das institutionalisierte Erleben im Islam zu. Ein Glaube, mit dem häufig nur Kopftücher und Terroristen assoziiert werden, der aber eine ungewöhnlich reiche Schmucktradition kennt.
Woran glauben Sie? Was möchten Sie repräsentieren? New Traditional Jewellery 2007 fordert Schmuckkünstler aus dem In- und Ausland dazu auf, vorhandene Traditionen mit neuen Formen zu bereichern. Schmuck, der eine neue Beziehung, eine persönliche Spiritualität oder eine neue Form für eine der Weltreligionen verkörpert oder neue Heilige, neue Symbole, die Kraft geben, ausgestaltet.
Der Wettbewerb New Traditional Jewellery ist Bestandteil der Messe SIERAAD 2007, die im niederländischen Amsterdam stattfindet. Während der Messe werden die fünf Gewinner bekannt gegeben, und es wird eine Ausstellung mit einer Auswahl aus den 65 besten Entwürfen organisiert.
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